Andachten

Sonntagsgruß – 14. Februar 2021

Markusevangelium 8,31-8,4-8

31 Und er fing an, sie zu lehren: Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen.
32 Und er redete das Wort frei und offen. Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren. 33 Er aber wandte sich um, sah seine Jünger an und bedrohte Petrus und sprach: Geh
hinter mich, du Satan! Denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.
34 Und er rief zu sich das Volk samt seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.
35 Denn wer sein Leben behalten will, der wird’s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird’s behalten.

36 Denn was hilft es dem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen und Schaden zu nehmen an seiner Seele?
37 Denn was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse?

38 Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der
Menschensohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.


Predigt zu Jesaja 58,1-9a


Es war um das Jahr 515 vor Christi Geburt. Viele Israeliten waren aus dem Exil nach Jerusalem zurückgekehrt. Aber sie fanden dort keine blühenden Landschaften vor, wie sie es erhofft hatten, sondern einen Trümmerhaufen. In Babylon hatten die Alten ihnen die verlorene Heimat vor Augen gemalt als ein wunderbares Land, in dem Milch und Honig fliessen. Doch von diesem Land war nichts mehr übrig. 
Um bald wieder in geordneten Verhältnissen leben zu können, musste jeder und jede am Wiederaufbau Jerusalems und des ganzen Landes mitwirken. Auch am Wiederaufbau des Tempels wurde gearbeitet und es konnten auch schon wieder Gottesdienste gefeiert werden.
In dieser Situation fordert Gott vom Propheten:

1 Rufe laut, halte nicht an dich! Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit und dem Hause Jakob seine Sünden! 2 Sie suchen mich täglich und wollen gerne meine Wege wissen, als wären sie ein Volk, das die Gerechtigkeit schon getan und das Recht seines Gottes nicht verlassen hätte. Sie fordern von mir Recht, sie wollen, dass Gott ihnen nahe sei. 
3 »Warum fasten wir und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib und du willst’s nicht wissen?«

Die Bürger Jerusalems sehnten sich nach Gottes Segen. Gott sollte ihnen in ihrer schwierigen Situation Sicherheit, Geborgenheit und Wohlstand schenken. Durch bestimmte Askese-Praktiken wollten sie Gott gnädig stimmen. Täglich fragten sie nach Gottes Willen, feierten Gottesdienste, beteten und hielten sogar Fastentage ein. Sie waren entsetzt, als die prophetische Rede genau dieses Verhalten kritisierte: 

Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter. 4 Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll. 5 Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit oder seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der Herr Wohlgefallen hat?
6 Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! 7 Heißt das nicht: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! 8 Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des Herrn wird deinen Zug beschließen. 9 Dann wirst du rufen und der Herr wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich.

Fasten ist eine wichtige spirituelle Übung. Fasten gehört in den meisten Religionen zum geistlichen Leben. Wenn Fasten dazu beiträgt, dass Menschen sich durch ein kontrolliertes Verhalten geistlich und körperlich disziplinieren, dann ist Fasten für Leib zu Seele heilsam. Wenn Fasten aber mehr oder weniger eine Alibifunktion hat und das Fehlverhalten im sonstigen Leben ausgleichen soll, dann kann auch Fasten zur Sünde werden.
Mit ihrem Gottesdienst und den darin zelebrierten geistlichen Praktiken hatten die Israeliten weder Gott noch ihre Nächsten im Blick. Und auch wir sollten uns fragen, ob für uns die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten untrennbar zusammengehören, ob unsere geistlichen Übungen nur dem eigenen Wohlergehen dienen und inwieweit wir die Not anderer im Blick haben. Können wir auf Gottes Nähe hoffen, wenn wir die Bedürftigen vernachlässigen?

Uns ist der Sonntag geschenkt, um zu feiern, die Arbeit zu unterbrechen, uns dem gnadenlosen Leistungsdruck zu entziehen. Dieses Feiern als Nicht-Tun ist auch ein Fasten. Wer feiert, nimmt sich Zeit und hat Zeit – und gewinnt damit neue Zeit. Zeit für sich selbst, füreinander und für Gott.
Vielleicht brauchen wir heute genau diese Art von Fasten. Eine Art von „Auszeit“ für Gott. Wer so fastet und feiert, lässt sich ohne Leistungsdruck von Gott beschenken und gewinnt Freiheit für ein herzlicheres Miteinander, das in den Mitmenschen Gottes ebenso geliebte Geschöpfe sieht.
Amen!

Fürbittengebet
Gott,
Lass mich Deine Nähe spüren.
Sonst geht es nicht weiter.
Nicht im Schnee und nicht in der Kälte.
Nicht in der Quarantäne und nicht in der zu vollen Wohnung.
Gott,
wir haben schon so viel gefastet, mussten so viel aushalten.
Die Nerven sind abgewetzt, wartemüde, hoffnungsscheu.
Wie lange noch?
Hilf Mitleiden, bitte.
Für die ohne Wohnung. Für die auf den Pflegestationen.
Für alles, was ausfällt. Für das Lokal an der Ecke.
Gott,
Danke, dass ich liebe, koche und bete.
Hilf Grenzen hinzunehmen, bitte.
Erlös uns, dann irgendwann.
Und zeig mir: wer ist wichtig?
Ohne wen komme ich nicht durch diese Zeit?
Wer lacht, wenn ich lache? Auch nachts und am Telefon?
Geh mit, Gott, bitte komm einfach mit.
Vater unser im Himmel, 
geheiligt werde dein Name, 
dein Reich komme, 
dein Wille geschehe
wie im Himmel so auf Erden. 
Unser tägliches Brot gib uns heute. 
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. 
Und führe uns nicht in Versuchung, 
sondern erlöse uns von dem Bösen. 
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Mit freundlichen Grüßen
Pfarrer M. Gärtner


Pfarrer Michael Gärtner
Kirchstraße 20
01917 Kamenz

Telefon: 03578 / 3733871 
pfarrer-gaertner@kirchgemeinde-kamenz.de

Andacht Sexagesimae – 7. Februar 2021

Photo by no one cares on Unsplash

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Andacht zum Predigttext Lukas 8, 4-15 am Sonntag Sexagesimae, 7. 2. 2021

(gehalten von Kantor Michael Pöche am Sonntag Sexagesimae, 7. 2. 2021 in der Hauptkirche St. Marien Kamenz)

Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus jeder Stadt zu ihm eilten, sprach er durch ein Gleichnis:

Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges an den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen’s auf.

Und anderes fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte.

Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten’s.

Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Es fragten ihn aber seine Jünger, was dies Gleichnis bedeute.

Er aber sprach: Euch ist’s gegeben, zu wissen die Geheimnisse des Reiches Gottes, den andern aber ist’s gegeben in Gleichnissen, dass sie es sehen und doch nicht sehen und hören und nicht verstehen.

Das ist aber das Gleichnis: Der Same ist das Wort Gottes.

Die aber an dem Weg, das sind die, die es hören; danach kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und selig werden.

Die aber auf dem Fels sind die: Wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an. Sie haben aber keine Wurzel; eine Zeit lang glauben sie, und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab.

Was aber unter die Dornen fiel, sind die, die es hören und gehen hin und ersticken unter den Sorgen, dem Reichtum und den Freuden des Lebens und bringen keine Frucht zur Reife.

Das aber auf dem guten Land sind die, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.

„Was ich nicht höre, das wurde nicht gesagt.“ – Kinder können das hervorragend: Ohren zu und auf Durchzug gestellt. Aber auch uns fällt das Zuhören oft schwer. Viel schwerer noch, wenn es um Gottes Wort geht. Und dann trifft es wieder plötzlich, unvermittelt, mitten ins Herz.

Manchmal ist Gottes Wort scharf, schmerzhaft und trennend wie ein Schwert. Dann wieder scheint es nicht zu wirken, setzt sich aber fest und wächst im Stillen. Gott streut die Botschaft seiner Liebe großzügig aus. Auch wenn wir sie ignorieren: Sie gilt uns. – Es liegt an uns, damit ernst zu machen. Doch eins ist sicher: Ohne Wirkung bleibt die Gute Nachricht, die Frohe Botschaft, nicht. – wie z.B. bei Lydia, die, von Gottes Wort angefacht, zur ersten Christin Europas wurde.

Im Achten Kapitel des Lukas-Evangeliums geht es um die Wirkung des Wortes Gottes. Wie wird dieses Wort Gottes aufgenommen, wie wird es verstanden.

Im Gleichnis vom Sämann wird von Jesus eine alltägliche Situation geschildert. In vier Schritten wird vom Säen erzählt.

Aber eigentlich predigt Jesus in diesem Gleichnis über das Predigen. Er selbst ist der Sämann. Mit seinem Predigen streut er Samen auf´s Land. Die vielen verschiedenen Zuhörer sind die verschiedenen Bodenarten, auf die der Same fällt: Alle hören dasselbe, aber nicht alle nehmen es auf dieselbe Weise auf.

Erschreckend ist, dass in drei Szenen vom vergeblichen Säen erzählt wird. Arbeit, die umsonst geschieht, vergeblich. Trotzdem: Das Ziel – das Wichtigste und zugleich Wunderbarste – des Gleichnisses ist die Frucht, die gedeiht. Ein großer Teil des Samens fällt auf fruchtbaren Boden. Darauf kommt es an: Es wird Frucht geben. Das andere, das Vergebliche, gehört dazu, ist aber nicht bestimmend.

Das Ziel der Erzählung Jesu ist die Einhundertfache Frucht. Wir können in den Worten des Gleichnisses eine unbeirrbare Gelassenheit erkennen. Sorgen sind keine Einrede gegen die Zuversicht, dass Gott seine Sache zum Ziel bringen wird. Es geht um das Vertrauen, dass das Wort von Gott nicht leer zurückkommt, sondern wirklich Frucht tragen wird.

Ein Blick auf den Sämann macht es deutlich: Er sät – und dann kann er nichts mehr tun, bis die Ernte soweit ist. Es ist also immer eine Arbeit auf Hoffnung; eine Hoffnung, die gewiss ist, weil Saat und Ernte zusammengehören. Der Fokus ist also auf das Gelingen, auf die Hoffnung auf die Zuversicht zu legen.

Die Worte Jesu wollen also Mut machen zum Vertrauen, dass Gott auch heute und hier am Werk ist, auch und gerade in dieser unsicheren Zeit der Pandemie. Unser Tun kann und darf getragen sein von der Zuversicht auf Ernte.

Doch bleibt die Frage nach dem, was hindert, was vergeblich ist. Für uns ist es gerade in der heutigen Zeit wichtig zu fragen oder eben zu wissen, welche Entwicklung das Korn oder eben die Hunderte von Körnern gehen oder gemacht haben. Erleben wir nicht gerade in der heutigen Zeit, wie die gesäten „Worte“ auf dem Weg zertreten, auf Stein fallen, im Dornengestrüpp ersticken und nicht die Entwicklung nehmen, auf die der Sämann gehofft hat?

Kann es sein, dass heute Gottes Wort durch zu laute Worte des Alltags oder auch schlechte / abwertende Worte über den Glauben auf dem Weg zertreten bzw. überhört werden? – z.B. auch in den Nachrichten, als ich vor kurzem im Zusammenhang mit der Pandemie das lässig hingeworfene Wort vernahm: „Da hilft nicht nur Beten!“

Kann es sein, dass uns oftmals die Verwurzelung im Glauben verlorengeht und Zweifel und Anfechtung größer sind als Glaubenszuversicht?

Kann es sein, dass in den Vorzügen unserer Wohlstandsgesellschaft und jetzt ganz besonders durch die Sorgen der Pandemie Gottes lebensspendendes und zukunftsweisendes Wort erstickt wird?

JESUS geht es um Seine Worte, die ER an die Menschen richtet. ER will die Menschen erreichen und ihnen von Gott erzählen. Ob es ankommt? Ob es Widerstand gibt? Sie sind doch aus allen Städten und Dörfern rings umher zusammengelaufen! Ein fruchtbarer Acker? Oder doch Weg, Fels, Dornen? JESUS hat alle im Blick, aber Er sieht auch klar, was sein wird. JESUS teilt aus. ER gibt reichlich. ER gibt, ohne darauf zu achten, ob etwas verloren geht.

Wenn Jesus sagt: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!“, dann dürfen wir uns jetzt und hier sagen lassen:

Jesus Christus hat nicht nur die im Blick, die ihn wirklich hören wollen. ALLE SOLLEN HÖREN. ER SIEHT ALLE. Und ER weiß um die Dinge, die ein Aufgehen der Saat in den Herzen der Menschen hindern können. Und trotzdem: ER GIBT, ER TEILT AUS. Jesus hat doch dieses helfende und heilende Wort. Das Wort, das zurechtbringt – auch heute und in Zukunft.

Wie wäre es, wenn wir uns darauf besinnen – uns erinnern würden –, wie wir es persönlich erlebt haben:

Wo ist Saat aufgegangen, wo hat sie Frucht gebracht – Geschichten von Hoffnung und Zuversicht entgegen Resignation und Schwermut. Geschichten, wo und wie uns „ein Licht aufgegangen“ ist und Gott uns durch tiefes Tal wieder ins Licht geführt hat, wo wir Gottes Wort für uns als das helfende, heilende und zurechtbringende Wort erfahren haben. Wo möglich, können wir diese Geschichten dann vielleicht auch mit anderen teilen, denen sich daraus u.U. auch neue Sichtweisen und Wege eröffnen können.

Denn: JESUS möchte, dass auch wir „die auf dem guten Land“ sind, „die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und Frucht bringen in Geduld.“

Und so kann und darf ich – können wir alle – zuversichtlich und optimistisch bleiben oder werden: Es wird Frucht genug geben, denn vieles fällt auf fruchtbares Land. Nur ist es nicht unsere Sache, ja wir können es auch gar nicht entscheiden, was fruchtbares Land ist – das ist Gottes Sache.

Aber: Wir können hoffen und vertrauen, dass JESU WORT es tut, was es verspricht.

So lasst uns immer wieder neu auf dieses Wort Gottes hören und ihm vertrauen. Auch wenn wir manchmal im Dornengestrüpp unserer Sorgen zu ersticken drohen: Aus Seinem Wort können wir immer wieder neu Kraft schöpfen, denn ER, JESUS CHRISTUS, ist es, der immer wieder neu sät.

Amen.

Fürbittengebet:

Herr Jesus Christus, du Wort des Vaters, du rufst alles, was ist, ins Dasein. Du rufst auch uns durch dein heilsames Wort. Wir bitten dich: Sprich zu uns heute, dass uns deine Stimme im Alltag begleitet, dass sie uns mahnt und tröstet, leitet und befreit.

Sprich zu allen Menschen, die nach dir fragen, die dich suchen, die dich vermissen, die sich verhärtet haben, die abgelenkt sind, dass sie von deinem Evangelium hören.

Sprich zu allen Menschen, die in Not sind, in den Krisen- und Kriegsgebieten dieser Welt, zu den Soldaten und Zivilisten, zu den Verfolgten und ihren Verfolgern, dass sie von deiner Versöhnung hören.

Hilf uns, dass wir in aller Ungewissheit und Angst in dieser Zeit der Pandemie nicht das Vertrauen und die Glaubenszuversicht verlieren. Lass uns und die anderen besonnen bleiben.

Bewahre die Schwachen. Sorge für die Kranken. Sei bei allen, die sterben. Beschütze alle, die in Pflegeheimen, Krankenhäusern und Laboren arbeiten, die Kranke pflegen, Eingeschlossene versorgen und sich darum bemühen, dass wir haben, was wir zum Leben brauchen.

Sprich zu allen, die Verantwortung tragen in den Kirchen und in der Politik, in der Gesellschaft und in der Wirtschaft, dass sie auf deine Weisungen hören.

Dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege.

Amen

Kantor Michael Pöche
Kirchstraße 20
01917 Kamenz

Telefon: 035783733873
michael.poeche@kirchgemeinde-kamenz.de

Sonntagsgruß – 7. Februar 2021

Foto: M.Gärtner

Foto: M.Gärtner

Lukasevangelium 8,4-8

Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus jeder Stadt zu ihm eilten, sprach er durch ein Gleichnis: 
Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, 
fiel einiges an den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen’s auf. Und anderes fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten’s. Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. 
Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Predigt

Liebe Gemeinde,
ich möchte Ihnen eine Geschichte erzählen, in der das Vertrauen stärker ist als die Angst. Eine Geschichte, die uns ermutigt in diesen unsicheren Zeiten.
Die Geschichte stammt von Jiri lzrael und heißt: „Von Scholle zu Scholle“. Darin erzählt er, wie er vor Ostern im Jahre 1551 bei Torun über die gefrorene Weichsel ging. Plötzlich begann vor seinen Füßen das Eis zu brechen. Und Jiri lzrael sprang von Scholle zu Scholle und sang dabei einen Psalm: 

Lobet im Himmel den Herrn 
Lobet ihn in der Höhe 
Von Scholle zu Scholle 
Lobet ihn, alle seine Engel 
Lobet ihn, all sein Heer 
Von Scholle zu Scholle 
Lobet ihn, Sonne und Mond 
Lobet ihn, alle leuchtenden Sterne 
Von Scholle zu Scholle 
Lobet ihn, ihr Himmel aller Himmel 
Und ihr Wasser über dem Himmel 
Von Scholle zu Scholle 
Lobet den Namen des Herrn aller Dinge 
Denn er gebot, da wurden sie geschaffen 
Von Scholle zu Scholle 
Lobet den Herrn auf Erden Ihr großen Fische und alle Tiefen des Meeres 
Von Scholle zu Scholle 
Lobet den Namen des Herrn 
Denn sein Name allein ist hoch 
Seine Herrlichkeit reicht, so weit Himmel und Erde ist.

Und so, mit diesen Worten auf den Lippen, gelangte Jiri lzrael aus der Strömung des Flusses glücklich ans rettende Ufer. 

Als dieser Mensch von Scholle zu Scholle sprang, hatte er ganz bestimmt große Angst. Und nasse Füße hat er sicher auch bekommen. Aber aus der Strömung des Flusses ist er glücklich ans Ufer gekommen. 
Was hat ihm dabei geholfen? Er erinnerte sich an Gott, den Schöpfer allen Lebens. Und in diesem Vertrauen auf Gott ist er weitergegangen.
Auch uns kann genau das helfen: Dass wir uns an Gottes Schöpfungskraft erinnern, an sein heilvolles Handeln an uns Menschen und an Jesus Christus, der unsere Sorgen und Nöte mit uns teilt, bei uns ist und uns hilft.
Dafür loben wir Gott loben und danken ihm für alles, was wir an Gutem erfahren haben.
So können wir von Tag zu Tag, von Scholle zu Scholle springen – dem rettenden Ufer entgegen. Mit einem „Danke“ oder einem „Lobet den Herrn!“ auf den Lippen geht das noch viel besser!

Gott segne und behüte Sie!
Amen!


Fürbittengebet

Ewiger Gott,
mach uns zu gutem Land,
damit wir mit deinem Wort
diese Welt besser machen.
Gib den Einflussreichen wache Ohren,
damit sie dein Wort hören
und dem Frieden dienen.
Gib den Mächtigen gute Herzen,
damit sie dein Wort tun
und die Last der Schwachen mittragen.
Gib den Klugen barmherzige Hände,
damit sie deine Liebe weitergeben
und die Kranken heilen.
Ewiger Gott,
mach uns zu einem guten Land.
Hundertfache Frucht lass wachsen,
damit wir einander beistehen,
damit die Trauernden getröstet werden,
damit die Sterbenden geborgen sind,
damit die Verzweifelten aufatmen,
damit die Geschlagenen freikommen.
Hundertfache Frucht lass wachsen,
damit unsere Kinder eine gute Zukunft haben.
Ewiger Gott,
mach uns zu gutem Land
durch Jesus Christus.
Ihn wollen wir hören.
Ihm vertrauen wir -
heute und alle Tage.


Vater unser im Himmel, 
geheiligt werde dein Name, 
dein Reich komme, 
dein Wille geschehe
wie im Himmel so auf Erden. 
Unser tägliches Brot gib uns heute. 
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. 
Und führe uns nicht in Versuchung, 
sondern erlöse uns von dem Bösen. 
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.


Mit freundlichen Grüßen
Pfarrer M. Gärtner

Pfarrer Michael Gärtner
Kirchstraße 20
01917 Kamenz

Telefon: 03578 / 3733871 
pfarrer-gaertner@kirchgemeinde-kamenz.de

Sonntagsgruß – 24..Januar 2021

Ein kleiner Gruß mit Predigt aus Ihrer Gemeinde – wir denken an Sie!

Die christliche Botschaft macht nicht vor Volks- und Landesgrenzen Halt. Sie gilt ausnahmslos allen Menschen. Bereits Jesus und seine Jünger haben sich den Nachbarn des Volkes Israel zugewandt, haben Ausländer geheilt und mit Samaritanern debattiert. Auch Jesu Ahnen sind international wie die Moabiterin Rut, die mit ihrer Schwiegermutter in fremdes Land zog und ihre Religion annahm.

Gottes Liebe kennt keine Grenzen, wie es im Lukasevangelium heißt (13,29): „Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes“.

Psalm 86, 1-11a

Gott, neige deine Ohren und erhöre mich; denn ich bin elend und arm.

Bewahre meine Seele, denn ich bin dein.

Hilf du, mein Gott, ich verlasse mich auf dich.

Gott, sei mir gnädig; denn ich rufe täglich zu dir.

Erfreue meine Seele, denn nach dir, Gott, verlangt mich.

Denn du bist gut und gnädig, von großer Güte allen, die dich anrufen.

Vernimm mein Gebet, und merke auf die Stimme meines Flehens!

In der Not rufe ich dich an; du wolltest mich erhören!

Weise mir, Gott, deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit.

Rut 1,1-19a

Zu der Zeit, als die Richter richteten, entstand eine Hungersnot im Lande.Und ein Mann von Bethlehem in Juda zog aus ins Land der Moabiter, um dort als Fremdling zu wohnen, mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen.

Der hieß Elimelech und seine Frau Noomi und seine beiden Söhne Machlon und Kiljon; die waren Efratiter aus Bethlehem in Juda. Und als sie ins Land der Moabiter gekommen waren, blieben sie dort. Und Elimelech, Noomis Mann, starb, und sie blieb übrig mit ihren beiden Söhnen. Die nahmen sich moabitische Frauen; die eine hieß Orpa, die andere Rut. Und als sie ungefähr zehn Jahre dort gewohnt hatten, starben auch die beiden, Machlon und Kiljon. Und die Frau blieb zurück ohne ihre beiden Söhne und ohne ihren Mann.

Da machte sie sich auf mit ihren beiden Schwiegertöchtern und zog aus dem Land der Moabiter wieder zurück; denn sie hatte erfahren im Moabiterland, dass der Herr sich seines Volkes angenommen und ihnen Brot gegeben hatte. Und sie ging aus von dem Ort, wo sie gewesen war, und ihre beiden Schwiegertöchter mit ihr. Und als sie unterwegs waren, um ins Land Juda zurückzukehren, sprach sie zu ihren beiden Schwiegertöchtern: Geht hin und kehrt um, eine jede ins Haus ihrer Mutter! Der Herr tue an euch Barmherzigkeit, wie ihr an den Toten und an mir getan habt. Der Herr gebe euch, dass ihr Ruhe findet, eine jede in ihres Mannes Hause! Und sie küsste sie. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten und sprachen zu ihr: Wir wollen mit dir zu deinem Volk gehen. Aber Noomi sprach: Kehrt um, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen? Wie kann ich noch einmal Kinder in meinem Schoße haben, die eure Männer werden könnten? Kehrt um, meine Töchter, und geht hin; denn ich bin nun zu alt, um wieder einem Mann zu gehören. Und wenn ich dächte: Ich habe noch Hoffnung!, und diese Nacht einem Mann gehörte und Söhne gebären würde, wolltet ihr warten, bis sie groß würden? Wolltet ihr euch einschließen und keinem Mann gehören? Nicht doch, meine Töchter! Mein Los ist zu bitter für euch, denn des Herrn Hand hat mich getroffen. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten noch mehr. Und Orpa küsste ihre Schwiegermutter, Rut aber ließ nicht von ihr. Sie aber sprach: Siehe, deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihrem Gott; kehre auch du um, deiner Schwägerin nach. Rut antwortete: Bedränge mich nicht, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der Herr tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden.

Als sie nun sah, dass sie festen Sinnes war, mit ihr zu gehen, ließ sie ab, ihr zuzureden. So gingen die beiden miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen.

Predigt

Diese Geschichte beginnt damit, dass eine Familie aufgrund einer Hungersnot Bethlehem verlassen muss und nach Moab geht. Genauso wie die Moabiterin Rut. Mit Moab hatten die Israeliten eigentlich keine guten Erfahrungen gemacht, aber diese Familie wurde dort gut aufgenommen. Doch das Schicksal meinte es nicht gut: Der Vater starb nach kurzer Zeit. Die Witwe, Noomi, blieb mit den beiden Söhnen im fremden Land zurück. Die Söhne heirateten Frauen aus Moab. Aber nach einiger Zeit starben auch sie und hinterließen ihre Frauen kinderlos.Nun standen diese drei Frauen, mittellos – weil ohne Mann – da. Noomi beschließt, zurückzukehren in ihre Heimat. Ihre beiden Schwiegertöchter begleiten sie – schließlich haben sie in ihre Familie eingeheiratet und gehören zu ihr, auch nach dem Tod ihrer Männer. Doch auf dem Weg wird Noomi klar, dass ihre Schwiegertöchter in Israel keine gute Zukunft haben werden, dass sie in ihrer eigenen Heimat mehr Möglichkeiten hätten. Darum gibt sie sie frei, ermöglicht es ihnen, in eine bessere Zukunft in ihrer Heimat aufzubrechen.

Die eine Schwiegertochter tut das. Die andere, Rut, begleitet ihre Schwiegermutter. Aber warum? Fühlte sie sich ihr so stark verbunden oder verpflichtet und wollte ihr beistehen? Oder war da noch mehr, was sie mit ihrer Schwiegermutter verband? Hatte sie während der gemeinsamen Zeit mit ihrem Mann auch seinen Glauben kennen- und schätzen gelernt? Es scheint fast so, wenn man sich den Satz anhört, der immer wieder gerne als Trauspruch ausgewählt wird: Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der Herr tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden. Rut geht mit Noomi mit und sorgt für sich und ihre Schwiegermutter. Bewundernswert, wie sie sich voller Vertrauen voll und ganz auf das Neue einlässt.

Am Ende wird Rut, diese Migrantin aus dem verhassten Nachbarland, zu einer wichtigen Person von Gottes Heilsgeschichte: Rut wird die Großmutter von David, der zum großen König von Israel und Juda aufsteigen wird. Und somit ist sie eine Vorfahrin von Jesus, der ja aus dem Geschlecht Davids ist.

Lasst uns wie Rut alle anstehenden Herausforderungen angehen – voller Tatkraft, Mut und Fürsorge und voller Gottvertrauen.

Barmherziger Gott, wenn wir uns fürchten, dann trage du uns:

- in Krankheit des Körpers

- in Verwirrung des Geistes

- in Notzeiten der Seele

Wir bitten: Gott erhöre uns. Was uns fehlt, das schenke uns:

- Geduld und Spannkraft

- die Klarheit der ersten Zeugen

- Liebe und Großzügigkeit

Wir bitten: Gott erhöre uns. Was uns belastet, davon erlöse uns:

- vom Zynismus des Reichtums

- von der Roheit der Gewalt

- von der Verblendung der Selbstgerechtigkeit

Wir bitten: Gott erhöre uns. Was uns Kraft gibt, damit stärke uns:

- mit unerschütterlichem Glauben

- mit Ehrfurcht vor dem Leben

- mit unbeirrbarer Hoffnung

Wir bitten: Gott erhöre uns.

Möge dein Weg dir freundlich entgegenkommen, möge der Wind dir den Rücken stärken.

Möge die Sonne dein Gesicht erhellen und der Regen um dich her die Felder tränken.

Und bis wir beide, du und ich, uns wiedersehen, möge Gott dich schützend in seiner Hand halten.

Predigt 10. Januar 2021 1. Sontag nach Epiphanias

Claudia Wolf zu Röm 12, 1-8 (Predigttext)

RÖM12 1Ich ermahne euch nun, Brüder und Schwestern, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr euren Leib hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst.
2Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.

3 Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, dass niemand mehr von sich halte, als sich’s gebührt, sondern dass er maßvoll von sich halte,wie Gott einem jeden zugeteilt hat das Maß des Glaubens.
4Denn wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben,
5so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, aber untereinander ist einer des andern Glied. 
6Wir haben mancherlei Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Hat jemand prophetische Rede, so übe er sie dem Glauben gemäß.
7Hat jemand ein Amt, so versehe er dies Amt. Ist jemand Lehrer, so lehre er. Hat jemand die Gabe, zu ermahnen und zu trösten, so ermahne und tröste er. Wer gibt, gebe mit lauterem Sinn. Wer leitet, tue es mit Eifer. Wer Barmherzigkeit übt, tue es mit Freude.

Liebe Gemeinde, 

ein spannender, sehr gehaltvoller Text. Er reflektiert unser Leben als Christen. Sowohl als einzelner Mensch als auch in der Gemeinschaft, in der Gemeinde. Bezeichnenderweise beginnt der Text mit Barmherzigkeit und er endet mit Barmherzigkeit. Das heißt in unserem Leben als Christen ist Barmherzigkeit das A und O, also das Wichtigste. Und genauso wie in unserer Jahreslosung "Seid barmherzig, wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist", wird hier die Barmherzigkeit von Gott her begründet: durch die Barmherzigkeit Gottes. Es geht also darum, dass wir unser Herz öffnen, für die Not der Welt, dass wir unser Herz öffnen und uns selbst und die anderen mit liebevollen Augen anschauen. Und ich denke, dass dies in diesen Zeiten, in denen wir gerade unterwegs sind, besonders wichtig ist. Wie viel Streit gibt es: Wo immer ich hinschaue, wird gestritten und gerungen. Vor allem zur Zeit um den richtigen Umgang mit der Pandemie, auch in unserer Kirchgemeinde. Und das Ringen und Streiten an sich muss nichts Negatives sein, aber oft führt es doch zu Verletzungen. Lasst uns wirklich barmherzig miteinander umgehen! Gerade auch in der Unsicherheit, mit der wir zur Zeit leben müssen. Lasst uns Barmherzigkeit einüben. Dass wir unsere menschliche Begrenztheit und die der anderen liebevoll ansehen und annehmen.

Paulus spricht dann als nächstes von unserem Leib und setzt ihn wieder in Beziehung mit dem Göttlichen, dieses Mal mit dem Leib Christi. 

Wir sollen unseren Leib hingeben als lebendige Opfer, heilig und Gott wohlgefällig. Es geht also um Hingabe. Hingabe kann man gut beobachten, wenn man einem Kind beim Spielen zuschaut, wenn es völlig versunken ist in sein Spiel oder bei einem Künstler, der ganz auf sein Schaffen ausgerichtet ist. So sollen wir in unserem Dasein ganz auf Gott ausgerichtet sein. Jeder und jede an dem Ort, wo er oder sie unterwegs ist. Hingabe, das ist Gottesdienst, sagt Paulus. Und ich verstehe das so, dass wir Gott so dienen sollen, dass er durch uns den Menschen dienen kann. Und auch hier wieder mit dem ersten Vorzeichen Barmherzigkeit. Und Paulus beschreibt dann als nächstes: Wo und wie wir Gott mit Hingabe dienen können: mit einem Amt, oder mit prophetischer Rede oder indem wir andere lehren, oder indem wir einander trösten und helfen und von unserem Reichtum abgeben und barmherzig sind. Viele Möglichkeiten, Gott mit Hingabe zu dienen. Und all´diese Möglichkeiten sind gleich zu bewerten, denn wir alle sind Glieder am Leib Christi und als solche wichtig und nötig, jeder auf seine Weise. So kommt durch unsere Hingabe Christus in diese Welt,  wird lebendig, spürbar, erlebbar. Paulus hat ganz bewusst dieses Bild vom Leib Christ in seine ersten Gemeinden getragen: Christus soll nicht nur im Kirchgebäude oder am Kreuz sichtbar werden. Sondern er soll hier in unserer Welt spürbar sein, sozusagen dezentral, überall wo wir sind, soll Christus zu spüren sein - durch uns. Wie wir miteinander umgehen und reden, wie wir Entscheidungen fällen, welche Prioritäten wir setzen. Durch Corona haben viele neu und anders angefangen über sich und ihr Leben nachzudenken. Vielleicht können uns die Worte des Paulus dabei helfen, neue und andere Prioritäten zu setzen. Ich wünsche es uns. Amen

Fürbitten

Vater im Himmel, Wir bitten dich, Gott, für die Menschen, die dir und den Menschen dienen: Besonders denken wir heute an die Menschen, die in der Pflege arbeiten. Die sich für einen geringen Lohn um die Menschen kümmern, die sich nicht allein versorgen können. In diesen kalten Tagen denken wir besonders an die vielen Menschen, die sich oft ehrenamtlich um Obdachlose und Arme kümmern. Die in Notübernachtungen arbeiten, die Kleiderkammern betreuen und Suppenküchen. Die ein gutes Wort spenden oder einen Euro. Wir bitten dich, erwecke in ihnen immer wieder das Vertrauen dahinein, dass das ein vernünftiger Gottesdienst ist. Vater, im Himmel wir bitten dich für uns selbst, dass wir unser Leben neu auf dich ausrichten, dass es immer mehr ein Leben wird, mit dem wir dir dienen.

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen

Epiphaniasfest, 6. Januar 2021

L I C H T – B I L D E R – G E D A N K E N

Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint jetzt. 1. Johannes 2, 8b

Liebe Sängerinnen und Sänger der Kantorei, liebe Eltern von Marien-Spatzen und Kurrende, liebe Bläserinnen und Bläser im Posaunenchor, liebe Musizierende im Collegium musicum, liebe Freunde in nah und fern!

Mit dem Bibelvers des heutigen Epiphaniasfestes – in der Ostkirche das eigentliche Weihnachtsfest – möchte ich Sie / Euch zu Beginn des neuen Jahres herzlich grüßen – und ich verbinde es mit Bildern aus unserer Hauptkirche St. Marien. (der komplette Brief mit Bilder ist unter diesem Link zu finden)

Zum einen die mit Stroh gefüllte Krippe, davor das Kerzenlicht – symbolisch für Christus als das Licht der Welt – und daneben unser Quempas-Stern,der in „normalen“ Jahren durch die Kurrende-Kinder beim Einzug in der Adventszeit und in der Christvespervoran getragen wird.

Zum anderen die Krippenfiguren unserer Kamenzer Weihnachtskrippe, die ich aus aktuellem Anlass auf den Altar gestellt habe– ganz bewusst eingerahmt durch die Kerzen, die Heilige Schrift, das Alabaster-Kruzifix sowie die einmalig schöne Darstellung des Abendmahles Jesu mit seinen Jüngern an der Predella unseres Marien-Altares.

Wann haben wir sie schon einmal so aus der Nähe betrachten können: Das Christuskind mit Maria und Joseph sowie die Drei Weisen bzw. „Könige“ mit ihren Gaben Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Mit welcher Sehnsucht im Herzen haben sich diese Weisen aus dem Morgenland auf den Weg begeben und sind dem Stern gefolgt – sie, die doch aus einer anderen Kultur und Religion kamen und einem neugeborenen Herrscher huldigen wollten? Das, was sie erwarteten, hat sich auf ganz andere Weise eingestellt: Das Kind in der Krippe hat ihre Herzen hell und weit werden lassen und sie wahre Erfüllung finden lassen. So konnten sie mit ihren „erleuchteten“ Herzen wieder ihre Heimreise antreten – „auf einem anderen Weg“, wie uns der

Evangelist Matthäus berichtet, da der König Herodes dem neugeborenen Christuskind nachdem Leben trachtete und die Weisen nicht zu Kollaborateuren von finsteren Mächten werden sollten.

Was können wir der Finsternis entgegensetzen, den Ängsten und Sorgen, die uns jetzt nach wie vor und anscheinend in zunehmendem Maße in Beschlag zu nehmen scheinen angesichts dieser unbarmherzigen Corona-Pandemie und desweiter andauernden Lockdowns?!

Mit diesen Bildern und meinen Gedanken möchte ich uns ein wenig Licht und Wärme in die Herzen geben. Ich finde, der Bibelspruch desheutigen Tagesdrückt essehrtreffend und tröstlich aus:

„Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint jetzt.“

In der neusten Übersetzung der Luther-Bibel steht für das letzte Wort „ schon“ – auch, wenn es vielleicht nicht korrekt übersetzt ist, so finde ich die ältere Übersetzung jetzt für unsere konkrete Situation, in der wir uns befinden, konkreter: Denn jetzt scheint das Licht – Christus – für uns, denn Christus sagt uns an anderer Stelle tröstlich zu: „ Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende“.

In „normalen“ Jahren gab es– zumindest in der Chor-Weihnachtsfeier, die wir immer Anfang Januarangesetzt haben einen Rück- und Ausblick. Dies ist in diesem Jahr leider so nicht möglich. Und so möchte ich uns auf diesem Wege einiges in Erinnerung rufen, was auch trotz Corona kirchenmusikalisch im vergangenen Jahr möglich war.

Dankbar bin ich zunächst, dass wir mit den meisten in unseren Chorgruppen auf elektronischem Wege verbunden sein können, sei es durch E-Mail oder WhatsApp, so dass wir auch musikalisch insbesondere durch die Videos verbunden sind. Wir werden uns auch weiterhin bemühen, dies im 14-tägigen Rhythmus weiterzuführen.

Als es wieder möglich wurde, uns zu treffen, haben wir im Frühjahr begonnen,mit dem Posaunenchor einmal jeweils wöchentlich vor den vier Pflegeheimen in Kamenz zu blasen. Dies wurde zunehmend dankbar an- und aufgenommen.

Mit der Kantorei begannen wir mit 2m Abstand in der Hauptkirche zu proben, später konnte der Abstand sogar auf 1,50m verringert werden. So trafen wir uns zu insgesamt drei Gesamtchorproben,einmal davon im Saal der Landeskirchlichen Gemeinschaft auf der Feigstraße. Ansonsten war uns die Zeit geschenkt, über das Jahr verteilt in Einzelstimmproben uns der H-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach zu nähern. Im Oktober konnten wir dann dazu in den Saal des Kirchgemeindehauses gehen und haben es sogar geschafft, einmal durch das ganze Stück durch zu kommen.

Auch mit den Marien-Spatzen und der Kurrende konnten wir uns zunächst vor dem Sommer und dann nach den Ferien auf dem großen Grundstück von Familie Maack in Gersdorf treffen, später dann im Pfarrgartenbei Familie Wolf / Gärtner; als es kälter wurde dann auch im Saal des Kirchgemeindehauses. Den Abschluss der„Saison“ bildete das Drachensteigen in Lückersdorf.

Und auch mit dem Collegium musicum hatten wir einige Möglichkeiten zum Musizieren: Am 11. Juli konnten wir in kleiner Besetzung mit einem schwungvollen Programm eine Musik im Rahmen von „Orgel punkt Fünf“ gestalten. Danach trafen wir uns im September zu einigen Proben. Und es war uns möglich, ebenfalls in kleiner bzw. solistischer Besetzung zum Reformationstag die Bachkantate „Ein feste Burg ist unser Gott“ aufzuführen. Das konnte – zumindest auf längere Sicht – der letzte mit festlicher Kirchenmusik gestaltete Gottesdienst sein (leider habe ich davon kein Foto, dafür aber einige gut gelungene Videos).

Ich halte es für ganz wichtig, dass wir uns diese positiven Seiten des letzten Jahres dankbar im Herzen behalten, um damit auch Kraft zu schöpfen für die vor uns liegende Zeit.

Was lässt sich betr. „Ausblick“ für dieses Jahr sagen?– Ich denke, im Augenblick können wir uns nur in Geduld üben und auf verschiedenste Weise versuchen, in Kontakt zu bleiben. Die verlängerten und verschärften Bestimmungen lassen leider keine physischen Kontakte zu, so dass alle unsere kirchenmusikalischen Kreise bis auf Weiteres leider nicht stattfinden können. Selbst der Gottesdienst wurde auf ein Minimum gestrafft: Lt. gestrigem Beschluss des Kirchenvorstandes wird für die Dauer des Lockdowns zur Gottesdienst-Zeit die Hauptkirche von 10.00 – 11.00 Uhr geöffnet sein. Zu Beginn wird es jeweils eine viertelstündige Andacht geben.

Sobald Lockerungen möglich sind, werden wir auch wieder zu Proben und Zusammenkünften einladen können. Für die Kantorei und das Collegium musicum lässt sich z. Zt. nichts anderes sagen,als dass wir an unserem großen Ziel der H-Moll-Messe im November festhalten. Sollte es sich als notwendig erweisen, besteht immer noch die Möglichkeit, die Aufführung auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.

Ich bin der festen Zuversicht, dass unser christlicher Glaube ein Hoffnungsanker in dieser so schwierigen Zeit sein kann. Gerade über die Advents- und Weihnachtszeit und zum Jahreswechsel sind uns insbesondere die Lieder von Paul Gerhardt besonders tief zu Herzen gegangen. Wie sie doch so aktuell in unsere jetzige Situation sprechen,hat doch Paul Gerhardt in der schrecklichen Zeit des Dreißigjährigen (!) Krieges gelebt und überlebt. Vielleicht ist es gerade das, was diesen Texten so eine große Tiefe verleiht und uns Heutigen so viel Trost und Glaubenszuversicht geben kann. So möchte ich schließen mit der Jahreslosung und mit den folgenden Versen von Paul Gerhardt ausseinemNeujahrs-Lied.

Evangelisches Gesangbuch Nr. 58 (Strophenauswahl):

Nun lasst uns gehn und treten mit Singen und mit Beten zum Herrn,
der unserm Leben bis hierher Kraft gegeben.
Wir gehn dahin und wandern von einem Jahr zum andern,
wir leben und gedeihen vom alten bis zum neuen
durch so viel Angst und Plagen, durch Zittern und durch Zagen,
durch Krieg und große Schrecken,die alle Welt bedecken.
Gelobt sei deine Treue, die alle Morgen neue;

Lob sei den starken Händen, die alles Herzleid wenden.
Lass ferner dich erbitten, o Vater, und bleib mitten
in unserm Kreuz und Leiden ein Brunnen unsrer Freuden.

Gib mir und allen denen,die sich von Herzen sehnen nach dir und deiner Hulde, ein Herz, dass ich gedulde.
Hilf gnädig allen Kranken, gib fröhliche Gedanken
den hoch betrübten Seelen,die sich mit Schwermut quälen.
Und endlich, was das meiste,füll uns mit deinem Geiste,
der uns hier herrlich ziere und dort zum Himmel führe.

Es grüßt Sie / Euch herzlich – auchi m Namen meiner Frau– Ihr / Euer

Michael Pöche

Wort von Landesbischof Tobias Bilz zum Buß- und Bettag

»… so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.« (Mt 11, 29)

Der Buß- und Bettag ist in Sachsen ein gesetzlicher Feiertag. Das ist ein großes Geschenk! Wir können einen zusätzlichen Tag dafür nutzen, um Klarheit darüber zu gewinnen, ob wir mit unserer Lebensführung auf einem guten Weg sind und wir können mit Gott darüber sprechen. So bietet dieser besondere Tag Gelegenheit für Selbstkritik, Besinnung und neue Orientierung.

Wir begehen den Buß- und Bettag dieses Jahr mitten im November-Lockdown. Die erneuten Einschränkungen verlangen uns eine Menge ab. Ich habe den Eindruck, sie werden schwerer verarbeitet als im Frühjahr. Viele Menschen kommen an die Grenzen ihrer Kraft. Die Spannungen unter uns nehmen zu, manchmal liegen die Nerven blank.

Normalerweise leben wir jetzt auf die Adventszeit zu und freuen uns auf Weihnachten, doch die Aussichten sind dieses Jahr trüb. Was bringt uns durch diese schwierigen Wochen? Wer hilft uns, das Geschehen einzuordnen? Wie gewinnen wir neue Zuversicht? Jesus verspricht, dass er Menschen zur Ruhe führen will.

Im 11. Kapitel des Matthäusevangeliums ist das mit folgenden Worten aufgeschrieben:

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.
Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.

Ich erkenne darin drei große Herausforderungen und zugleich Chancen:

1. Lasten bewegen

Niemand möchte belastet sein und doch ist keiner dauerhaft davon befreit. Im Moment spüren wir stärker als sonst, was es heißt, nicht unbeschwert leben zu können. Uns wird neu wichtig, dass es Grundrechte geben muss. Zugleich bekommen wir vor Augen gehalten, dass sich daraus kein Anspruch auf unbeschwertes Leben ableiten lässt. Das löst bei vielen Widerstand aus. Manchmal ist Widerstand notwendig. Ich frage mich, ob er hier hilft oder nur zusätzlich Kraft kostet und für Aufregung sorgt. Demgegenüber empfiehlt Jesus, das Joch zu tragen. Damit stellt er uns die Frage, ob es nicht zumutbar ist, sich einspannen zu lassen, um eine Last zu bewegen. Im Moment heißt die Last vor allem Corona. Es gilt Einschränkungen zu ertragen und Mühe auf sich zu nehmen, um diese Herausforderung zu bewältigen. Dabei sind die Lasten ganz unterschiedlich verteilt. Deshalb dürfen wir nicht nur schauen, wie wir selbst gut durchkommen, sondern werden unser Leid auch ins Verhältnis setzen müssen zu dem, was andere zu tragen haben. Niemand soll überfordert werden. Wir bewegen die Lasten gemeinsam.

2. Vorsichtig miteinander sein

Obwohl niemand ganz genau weiß, welchen Gesetzmäßigkeiten das Corona-Virus folgt, erklären wir uns gegenseitig unablässig, wie damit umzugehen ist. Das geschieht zum Teil in großer Erregung. Verdächtigungen werden ausgesprochen, Argumente nicht zugelassen. Freundschaften kommen unter Druck und wechselseitige Aufforderungen haben ultimativen Charakter. Angst macht sich breit. Sanftmut aber ist die Fähigkeit, sich nicht von der Erregung mitreißen zulassen. Sie setzt auf einen behutsamen Umgang miteinander und möchte, dass niemand verletzt wird. Corona fordert uns genug heraus, durch mangelnde Sensibilität vergrößern wir die Last. Stattdessen muss jetzt immer mitgedacht werden, was unser Verhalten für andere bedeutet. Tragen wir zu Verwirrung und Spaltung bei oder liegen uns Ermutigung und Zusammenhalt am Herzen? Dort, wo die Sanftmütigen ihre Wirksamkeit entfalten, kommt der Himmel auf die Erde. Gerechtigkeit, Frieden und Freude gewinnen an Kraft. Alle können aufatmen.

3. Sich selbst zurücknehmen

Ein demütiger Mensch kann akzeptieren, dass er selbst nicht das Maß der Dinge ist. Er erkennt an, dass andere ihm gleichgestellt sind und ordnet sich ein. In der Corona-Pandemie lastet eine hohe Verantwortung auf denen, die in Politik und Gesellschaft, Gesundheitswesen und Wirtschaft Entscheidungen treffen müssen. Sie sollen nicht nur bestmöglich durch die Krise führen, sondern auch noch mit guten Argumenten und persönlicher Überzeugungskraft alle mitnehmen. Das kann nicht immer gelingen, zumal es unterschiedliche Handlungsoptionen gibt und die Dinge kompliziert sind. Verantwortliche brauchen jetzt Ermutigung und Unterstützung. Es muss ihnen zugetraut werden, dass sie unter Abwägung vieler Aspekte nach bestem Wissen und Gewissen handeln.

Demütige Menschen sind keineswegs unterwürfig, wenn sie vorgegebene Einschränkungen
mittragen. Sie sind aber bereit, um eines höheren Zieles willen, eigene Ambitionen zurückzustellen. Das ist jetzt besonders gefragt.
Lasten bewegen, vorsichtig miteinander sein und sich zurücknehmen – das kann schnell zur Überforderung werden. Wir spüren, dass dazu Überwindung gehört. Mir gelingt das nur, wenn mein Gottvertrauen intakt ist. Wenn Gott mir Lasten zumutet und dabei an meiner Seite bleibt, werden sie tragbar sein. Weil er vorsichtig mit mir umgeht, kann ich auch anderen gegenüber vorsichtig sein. Ich glaube, dass Gott der Herr über das Leben ist, deshalb kann ich auch Menschen gegenüber demütig sein. So ist der Buß- und Bettag nicht nur zur Selbstbesinnung da. Er bietet vielmehr die Gelegenheit, Gott zu suchen und die Gewissheit zu gewinnen, dass er in der Krise mitten unter uns wirkt.

Etwas Persönliches zum Schluss:

Ich habe einen November-Gruß bekommen, eine Postkarte. Eine Collage zeigt einen blauen Hund auf einem Stuhl. Er schnauft durch und schaut von einem Hügel aus auf ein großes durcheinander, welches sich zu seinen Füßen abspielt. Dazu steht: „innehalten – durchatmen – neu orientieren“. Noch nie hat mich jemand zum November gegrüßt. Deshalb spricht mich diese Karte besonders an. Sie weist mich auf das hin, was jetzt möglich ist und stimmt mich auf den Buß- und Bettag ein. Ich denke, es ist möglich, zur Ruhe zu kommen.

Tobias Bilz Landesbischof

Die folgenden Andachten entstanden während und kurz nach
dem Lockdown im Frühjahr 2020

2. Sonntag nach Trinitatis

Gottesdienst
Sonntag 21.06.2020

Ende der Serie

Gottesdienst zum Nachlesen

Diese Reihe endet hier!

Bei Interesse an Predigten zum Nachlesen, melden Sie sich bitte im Pfarramt!

Gottesdienst zum Nachlesen

3. Sonntag nach Trinitatis

Gottesdienst von Pfr. Michael Gärtner
Sonntag 28.06.2020

Gottesdienst zum Nachlesen

1. Sonntag nach Trinitatis

Gottesdienst von Pfr. Michael Gärtner
Sonntag 17.06.2020

Gottesdienst zum Nachlesen

Trinitatis

Gottesdienst von Pfr. Michael Gärtner
Sonntag 7.06.2020

Gottesdienst zum Nachlesen

Pfingstmontag

Gottesdienst von Pfr. Michael Gärtner
Montag 01.06.2020

Gottesdienst zum Nachlesen

Pfingstsonntag

Gottesdienst von Pfrn. Claudia Wolf
Sonntag 31.05.2020 Photo by Maxim Tajer on Unsplash

Sonntag Exaudi

Gottesdienst zum Nachlesen

Sonntag Exaudi

Gottesdienst von Pfrn. Claudia Wolf
Sonntag 24.05.2020

Sonntag Rogate

Gottesdienst zum Nachlesen

Sonntag Rogate

Gottesdienst von Pfr. Michael Gärtner
Sonntag 17.05.2020

Christi Himmelfahrt

Gottesdienst zum Nachlesen

Christi Himmelfahrt

Gottesdienst von Pfrn. Claudia Wolf
Donnerstag 21.05.2020

Sonntag Jubilate

Samstag, 2. Mai 2020

Evangelium für den
Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

Joh.15 1-8

Photo by Doug Kelley on Unsplash

Andacht

Wenn Jesus sagt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“, dann bedeutet das, dass wir mit ihm ganz eng verbunden sind. So wie die Reben durch den Weinstock versorgt werden, so bekommen wir alles, was wir zum Leben brauchen von Christus: Lebenskraft, Lebendigkeit, Freude. Dazu müssen wir uns nicht außerordentlich anstrengen. Es reicht, verbunden zu bleiben mit dem Lebens - und Liebesstrom Gottes, denn „in Gott leben wir, bewegen wir uns und sind wir“ (Apg 17, 28).

Das Bild vom Weinstock und den Rebzweigen lässt uns an Menschen denken, bei denen es eine Freude ist, mit ihnen zusammen zu sein. Das sind Menschen, die mit ihrer liebenswürdigen Art andere ermutigen, ihnen das Leben erträglicher machen, ihr Herz erfreuen. Das sind Menschen, in denen der Geist Jesu lebendig ist.
Jesus wünscht sich also, dass wir wie Reben sind, an denen süße Trauben wachsen können. Als Christ darf ich lebendig sein, darf ich so leben, dass meine Nähe als angenehm und einladend erfahren wird, als aufbauend und ermutigend. Oder im Bild von den Trauben: ich soll für die anderen schmackhaft sein. Das ist möglich, wenn ich die Liebe Gottes in mich aufnehme und durch mich hindurch fließen lasse. Auf diese Weise kann ich anderen etwas von der frohen Botschaft vermitteln.
Gerade jetzt in der Krise ist es wichtig, dieser Verbundenheit und Lebensfreude nachzuspüren: Woher kommt die Kraft zum Leben, der Mut zum Durchhalten, die Lebendigkeit und Freude.
Dafür gibt es nicht die eine Antwort, die für alle gilt. Das muss jeder für sich selbst entdecken:
Das kann ein gutes Buch sein, eine Begegnung mit einem beeindruckenden
Menschen, ein stärkendes Bibelwort, eine berührende Filmszene, ein Gebet, eine besondere Erinnerung, ein Spaziergang über den blühenden Hutberg,eine bewegende Musik oder beruhigende Stille

Bleiben wir in Jesus Christus, lassen wir uns stärken von Gottes Liebe und Erneuerungskraft. Dazu gebe uns Gott seinen Segen

Pfarrer Michael Gärtner

Gebet

In dir, Christus, wollen wir bleiben. Die Kraft von dir empfangen. Aus deiner Wurzel leben.
Aufnehmen und weiterreichen, was du uns gibst, und Frucht bringen.
Du, Christus, gibst die Kraft. Aus dir strömt sie.
Gib sie denen, die müde sind, die erschöpft sind von Corona, die sich aufreiben in der Sorge für andere,
deren Mut aufgebraucht ist, die sich fürchten vor dem, was kommt.
Du bist die Wurzel, die stärkt und trägt.

Erbarme dich.

Du bist der Friede.
Du berührst die Herzen.
Verwandle die Hartherzigen,
die Kriegsherren und die Lügner.
Schenke uns deinen Geist der Versöhnung, auf dass wir zu Friedenstiftern werden,
Erbarme dich. Du, Christus, bist die Liebe.
Du machst alles neu. Du bleibst.
Bleib bei den Trauernden und bei den Liebenden, denn ohne dich verlieren sie sich.
Du Liebe, sprich zu uns, zu deiner Gemeinde und zu deiner weltweiten Kirche.

Bleib bei uns.

Christus, ohne dich können wir nichts tun.
Du bist der Weinstock. Erbarme dich heute und alle Tage, die kommen.

Amen.

Segen

Segen sei mit dir, der Segen strahlenden Lichtes, Licht um dich her und innen in deinem Herzen. Sonnenschein leuchte dir und erwärme dein Herz, bis es zu glühen beginnt wie ein großes Feuer – und der Fremde tritt näher, um sich daran zu wärmen. Aus deinen Augen strahle gesegnetes Licht, wie zwei Kerzen in den Fenstern eines Hauses, die den Wanderer locken, Schutz zu suchen dort drinnen vor der stürmischen Nacht.
Wen du auch triffst, wenn du über die Straße gehst – ein freundlicher Blick "von dir möge ihn treffen.
und der gesegnete Regen, der köstliche, sanfte Regenströme auf dich herab.
Die kleinen Blumen mögen zu blühen beginnen, und ihren köstlichen Duft ausbreiten, wo immer du gehst.

Segen aus Irland

Sonntag Miserikordias Domini

Freitag, 24. April 2020

Evangelium für den Sonntag Miserikordias Domini
(Übersetzung Hoffnung für alle)

Johannes 10,11-16
11 Ich bin der gute Hirte. Ein guter Hirte setzt sein Leben für die Schafe ein.
12 Anders ist es mit einem, dem die Schafe nicht gehören und der nur wegen des Geldes
als Hirte arbeitet. Er flieht, wenn der Wolf kommt, und überlässt die Schafe sich selbst.
Der Wolf fällt über die Schafe her und jagt die Herde auseinander.
13 Einem solchen Mann liegt nichts an den Schafen.
14 Ich aber bin der gute Hirte und kenne meine Schafe, und sie kennen mich;
15 genauso wie mich mein Vater kennt und ich den Vater kenne. Ich gebe mein Leben für die
Schafe.
16 Zu meiner Herde gehören auch Schafe, die nicht aus diesem Stall sind. Auch sie muss ich
herführen, und sie werden wie die übrigen meiner Stimme folgen. Dann wird es nur noch eine Herde und einen Hirten geben.


Auslegung Johannesevangelium 10,11-16

Liebe Gemeinde

Ich bin der gute Hirte. Ein guter Hirte setzt sein Leben für die Schafe ein. Dieser Satz steht wie eine Überschrift über dem heutigen Sonntag. Und ich weiß, so mancher hat sich schon geärgert über diese Worte. So nach dem Motto: „Ich bin doch kein Schaf!“Ja, es stimmt. Es passt nicht in unsere Zeit, sich wie ein Schaf zu fühlen. Von wegen Herdentier. Wir sind selbstbestimmt, möchten unser Leben selbst in die Hand nehmen. Brauchen wir die anderen aus der Herde? Und vielleicht sogar noch einen Hirten? Jeder ist doch seines Glückes Schmied. Mit diesem Bewusstsein leben wir, im Allgemeinen. Nun ist in diesen Zeiten nichts mehr allgemein oder alltäglich. Wir erleben, wie sich viele gängige Gewissheiten in Luft auflösen. z.B. die Gewissheit, dass unser Leben und unsere Gesundheit sicher sind, unantastbar. Oder die Gewissheit, dass wir auch alleine ganz gut zurecht kommen. Ich denke schon, die Tage der Isolation haben uns gelehrt, dass wir mit Hilfe moderner Medien zwar viel können, aber dass sie den direkten Kontakt zu anderen Menschen nicht ersetzen können. Wir brauchen einander. Wir brauchen die Gemeinschaft. Den direkten Kontakt. Gemeinsam reden, lachen, feiern. Den Austausch. Es ist, als wären wir durch die Tage der Isolation vom Strom des Lebens abgeschnitten. Trotz Mediengeklingels kommt Einsamkeit auf.
Und auch die Angst um das Leben ist nicht vom Tisch zu wischen. Nicht nur um das eigene Leben, sondern auch um das Leben unserer Kinder, unserer Alten. Da ist die Familie mit dem Kind, das unter einer schweren chronischen Lungenkrankheit leidet. Da ist der Familienvater, der nach einer Krebserkrankung endlich wieder nach vorne schauen kann, aber noch sehr geschwächt ist. Wir bangen um das Leben. Wir klammern uns an jede neue Information der Virologen und Politiker. Und sehen doch, mit wie vielen Unsicherheiten auch diese zurechtkommen müssen.

Alles in allem sind wir eben doch wie Schafe, die einander brauchen und um den richtigen Weg ringen. Die allein schutzlos sind und auf die Herde und einen guten Hirten angewiesen sind. Woran können wir uns festhalten, wenn auch unsere menschlichen Hirten in Politik und Gesellschaft den Weg nur ahnen können? Es gibt einen Hirten, der in diesen Tagen mit uns leidet. Dem es nicht egal ist, wie es uns geht. Jesus, der gute Hirte kennt uns, spürt unsere Ängste, unsere Unsicherheit und Verlorenheit. Er weiß um unseren begrenzten Horizont als Menschen und kennt unsere Zerbrechlichkeit. Denn er ist selbst Mensch geworden. Er ist selbst durch das Leid gegangen, ist an Leib und Seele zerbrochen und doch lebendig, von Gott auferweckt. Für uns! Ihm dürfen, ihm sollen wir uns anvertrauen. Er ist der gute Hirte, der Hirte unserer Seelen. Er weist uns den Weg. Und wenn wir selbst nicht weiter können, dann nimmt er uns auf seine Schultern. Er will uns die Angst nehmen, will uns Frieden schenken, Frieden für unsere aufgeschreckten Seelen. Damit wir weitergehen können, leben können, vertrauen können. Öffnen wir unsere Ohren und Herzen für seine Stimme.
Nehmen wir uns Zeit für die Stille, dann werden wir seine Stimme hören und erkennen. Und dann können wir ihm folgen, dem Hirten unserer Seelen.
Amen

verwendetes Bild :

Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Catacomb_of_Callistus_(Rome)?uselang=de#/media/File:Good_shepherd_02.jpg
Jesus as the Good Shepherd. Ceiling - S. Callisto catacomb.

Period: early Christian
Date: mid 3rd century A.D.
Materials: painting in catacomb

Sontag Judika

Sonntag, 29. März 2020

Losung Sonntag 29.03.2020

Wenn mein Geist in Ängsten ist, so kennst du doch meinen Pfad.

Psalm 142,4

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis.

2. Korinther 1,3-4

Liebe Gemeinde

Alles ist verfügbar. So schien es noch vor wenigen Tagen.
jederzeit Essen und Trinken und Toilettenpapier
Krankenhausbetten und Pfleger die beste Gesundheitsversorgung für alle
Reisen über jede Grenze hinweg
sonntags in jeder Kirche einen Gottesdienst
Fußballspiele in riesigen Arenen
Kleinkunst in der Fußgängerzone
und Hochkultur in der Semperoper

Und nun? Wir spüren am eigenen Leib: Wir sind eingeschränkt.
Vieles, woran wir uns gewöhnt haben, fehlt.
Manches fehlt so sehr, dass es weh tut.
Wir Menschen sind erfindungsreich, wenn es darum geht, das Leben besser und bequemer zu machen.

Das ist gut so! Gerade in dieser Zeit.

Doch wir dürfen bei allem guten, lobenswerten Fortschritt nicht vergessen, dass wir Menschen sind – verletzlich, schwach und sterblich.
Jesus war Mensch mit allem, was dazugehört, mit Schwäche, Ängsten und Schmerzen. Und am Ende wurde er gekreuzigt wie ein verachteter Verbrecher.Doch bis zuletzt hat er vertraut, dass Gott sich den Schwachen, Kranken und Verachteten zuwendet und dass er gerade mit diesen sein Reich aufbauen will – sein Reich der Liebe.

Dieses Himmelreich, von dem Jesus erzählt hat, dieses Reich der Gerechtigkeit, Liebe und Versöhnung, das ist keine Vertröstung auf irgendetwas nach dem Tod.
Das Himmelreich können wir schon hier entdecken. Dort, wo wir füreinander da sind, einander helfen und trösten,  verzeihen, wo wir uns gestritten haben. Dort, wo wir uns nicht so wichtig nehmen, wo wir uns zurücknehmen, damit andere leben können, wo wir nicht nur uns selbst sehen und unseren eigenen Vorteil, wo wir von dem verschenken, was wir übrig haben. Wenn wir so miteinander umgehen, dann schenken wir uns gegenseitig die Würde, die Gott uns zugedacht hat. dann ist der Himmel auf Erden.

Amen.

Geben Sie aufeinander acht.

Und bleiben Sie behütet!

Ihr Pfarrer Michael Gärtner

Andacht vom 13.03.2020

Freitag, 13. März 2020

Liebe Gemeinde,

in den vergangenen Tagen hat sich die Situation in Bezug auf die Ausbreitung des Corona-Virus fast stündlich geändert.

Unsere Landeskirche und auch wir als Kirchgemeinde nehmen den Hinweis der staatlichen Stellen ernst und werden deshalb am Sonntag keinen Gottesdienst feiern.

Es werden aber 10:00 Uhr die Glocken der Hauptkirche St. Marien läuten bis 11:00 Uhr wird die Kirche geöffnet sein für das persönliche Gebet. Wer in die Kirche kommen möchte, nehme bitte Rücksicht auf andere Besucher und halte einen Abstand von 2 bis 3 Metern.

In den kommenden Tagen und Wochen (wir wissen noch nicht wie lange) finden keine Gottesdienste, Veranstaltungen, Gruppen und Kreise in unserer Kirchgemeinde statt.

Das Pfarramt ist telefonisch erreichbar zu den Öffnungszeiten. Wir bitten Sie, alles telefonisch zu klären und in Rücksicht auf unsere Mitarbeiter nicht persönlich ins Pfarramt zu kommen.

Pfarrerin Wolf (03 578/ 37 33 87 2) und Pfarrer Gärtner (03 578 / 37 33 87 1) sind ebenfalls telefonisch erreichbar.

Der Verzicht auf Gottesdienste und alle anderen Versammlungen der Gemeinde ist keine leichte Entscheidung, aber sie entspricht dem Gebot der Nächstenliebe und dient dem gesellschaftlichen Miteinander. Es ist wichtig zu zeigen, dass auch in unserer Kirche ein verantwortlicher Umgang mit der Situation praktiziert wird.

Ich bitte Sie, aufeinander Rücksicht zu nehmen und füreinander zu beten. In dieser besonderen Situation, die keiner von uns überblickt, weil die Erfahrungen fehlen, gilt es besonnen und geduldig zu handeln. Auch in diesen Tagen setzen wir unsere Zuversicht auf Gott, der uns beisteht in unseren Nöten.

Herzliche Grüße!

Michael Gärtner

Losung und Lehrtext für Freitag, 20. März 2020

Freitag, 20. März 2020

Losung und Lehrtext für Freitag, 20. März 2020

Der HERR deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes.
Psalm 27,5

Darum bin ich guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark.
2.Korinther 12,10

Liebe Gemeinde,
immer weniger ist das Motto dieser Tage: weniger Sozialkontakte, weniger Bewegungsspielraum und damit auch: weniger Lebensfreude. Das einzige, was derzeit steigt ist die Angst. Die Angst, dass man sich selbst infizieren könnte und die Angst, dass es jemanden aus der eigenen Familie treffen könnte. Hinzu kommen bei vielen Existenz-Ängste, wie es mit der Arbeit weitergehen wird, wie man in Zukunft über die Runden kommen soll.

Ja, natürlich ist es beängstigend, wenn man auch diejenigen ängstlich und ratlos sieht, die sonst berufsmäßig Gelassenheit und Zuversicht ausstrahlen, unsere Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft.

Wie gehen wir mit unseren Ängsten um? Es gibt Menschen, die in Panik verfallen, die Bilder von Hamsterkäufen sprechen eine deutliche Sprache. Andere versuchen, ruhig zu bleiben und ihren Alltag, der nun oft völlig anders aussieht als sonst, aufrecht zu erhalten. Andere lenken ihre Ängste in Wut um, irgendwer muss doch schuld sein an dieser Misere, Verschwörungstheorien machen die Runde. Wieder andere verdrängen ihre Ängste und leben so wie sonst auch, treffen sich mit Freunden oder machen sogar„Corona-Partys“ und schlagen alle Hinweise in den Wind.

Wie können wir Christen mit dieser Situation umgehen?

Als erstes: Unsere Ängste ernst nehmen. Gott hat uns die Fähigkeit, Angst zu empfinden, geschenkt. Diese Empfindung ist wie ein Warnschild: Vorsicht, du bist in Gefahr. Entscheidend ist nun, wie wir mit diesem Warnschild umgehen. Was in freier Natur vielleicht die richtige Reaktion war: Das panische Weglaufen, ist heute in unserer entwickelten Gesellschaft nicht mehr möglich. Gleichzeitig ist aber auch unser Reflexionsvermögen gewachsen. Wir können uns fragen: Was kann ich tun, um mich selbst zu beruhigen und angemessen auf die Situation zu reagieren? Sich selbst beruhigen ist wichtig. Nicht im Sinne von Einlullen, sondern in dem Sinn, dass man festen Boden untern den Füßen behält und handlungsfähig bleibt. Für mich als Christin ist dieser feste Boden mein Gottvertrauen. Ich bin in diesen Tagen laut und leise - in ständigem Gebet. Manchmal nur der kurze Gedanke: „Gott, du bist da, bleib bei mir!“ Manchmal ausführlicher: „Vater, du siehst meine Ängste, unsere Ängste, hilf uns aus dieser Situation heraus! Lass uns zusammenstehen, bleib bei deinen Menschen, heile die Kranken!“ Nein, es sind keine wohlgeformten Worte oder Sätze: Es sind meine kurzen Gedanken. Oft wirklich in der Stille. Aber sie helfen mir, mich immer wieder an Gott anzubinden. Es ist, als ob ich mit meinem Gebet einen Ort aufsuche, der inmitten des Chaos, der sich überschlagenden Meldungen, Ruhe und Frieden ausstrahlt. Es ist, als ob ich einen Ort aufsuche, von dem ich weiß, dass ich gehört und bedingungslos geliebt werde, ein Ort tiefer Gewissheit, nicht allein zu sein. Dadurch wird es sofort friedlicher in mir selbst. Ich muss meine Ängste nicht verdrängen, aber ich muss auch nicht panisch werden. Ich weiß, was immer geschieht, Gott hält mich, trägt mich, leitet mich.

Viele von uns sind jetzt zu Hause in Familie, da die Kinder nicht mehr in Schule und Kita gehen können. Es nicht leicht, angesichts dessen alles so zu regeln, dass der Alltag irgendwie doch weitergehen kann. Aber es ergeben sich auch neue Möglichkeiten: Mein Sohn hat ein Familien-Tagebuch begonnen, in das alle Familien-Mitglieder ihre Gedanken und Gefühle eintragen in diesen Tagen. Wenn wir miteinander beten, am Esstisch oder vor dem Einschlafen am Bett, dann werden auch diese Gedanken und Gefühle vor Gott gebracht.

Handlungsfähig bleiben. Heißt, sich zunächst zu fragen: Bin ich und meine Familie in dieser Situation mit allem ausgerüstet, was ich brauche. Habe ich ein Netzwerk, das mich im Zweifelsfall unterstützt? Oder brauche ich von außen Hilfe?Für manche von uns werden diese Fragen ganz existentiell, entweder weil sie als ältere Menschen jetzt nicht mehr so gerne in der Öffentlichkeit unterwegs sind, also auch zum Einkaufen nicht mehr hinaus gehen möchten. Oder manche von uns kommen vielleicht in Quarantäne und dürfen deshalb ihre vier Wände nicht mehr verlassen. Für all´ diese Fälle gilt, rufen Sie uns bitte an! Wir versuchen, Hilfe zu vermitteln. Es gibt Menschen in unserer Kirchgemeinde, die sich bei uns gemeldet haben, weil sie helfen wollen.

Wir Mitarbeiter der Kirchgemeinde haben angefangen, unsere älteren Gemeindeglieder anzurufen, falls dort Hilfe gebraucht wird. Aber oft fehlen die Telefonnummern. Auch wenn Sie diese Zeilen lesen und von einer Notsituation wissen, kontaktieren Sie uns! (Telefonnummern siehe unten) Wir versuchen zu helfen.

Melden Sie sich bei uns bitte auch, wenn Sie Hilfe geben können! Wir brauchen Ihre Unterstützung!

Unsere Kirchgemeinde möchte gerne Netzwerk für Hilfe sein, möchte gerne Hilfe koordinieren. Wir Christen sollen für andere da sein, vor allem für die, die in Not sind. Denn im Notleidenden begegnet uns Gott.

Aber vergessen Sie nicht, auch das Gebet ist eine Handlung, die dieser Tage außerordentlich wichtig ist: Beten Sie für unser Land, für unsere Menschen, besonders für unsere Kranken und für die, die sich um sie kümmern: Ärzte, Krankenschwestern und -pfleger!

Bedenken Sie im Gebet auch die, die das Leben in unserem Land aufrecht erhalten: Die Mitarbeiter/innen in den noch geöffneten Läden und Apotheken, die Alten-Pfleger/innen, die LKW-Fahrer, die Lebensmittel zu uns bringen, die Mitarbeiter/innen in Rathäusern und auf den Ämtern, im Wasser- und Stromwerk, bei Polizei und Armee und an den vielen Stellen, die unser öffentliches Leben aufrecht erhalten.

Ich grüße Sie mit einem Gebet von Karl Barth, das der Losung für den heutigen Tag zugeordnet ist:

Herr, unser Gott! Wenn wir Angst haben, dann lass uns nicht verzweifeln. Wenn wir enttäuscht sind, dann lass uns nicht bitter werden. Wenn wir gefallen sind, dann lass uns nicht liegenbleiben. Wenn es mit unseren Kräften zu Ende ist, dann lass uns nicht umkommen. Nein, dann lass uns deine Nähe und deine Liebe spüren.

Gott behüte Sie und alle Ihre Lieben!

Ihre Pfarrerin Claudia Wolf

Gottesdienst zum Nachlesen

3. Sonntag nach Trinitatis

Gottesdienst von Pfr. Michael Gärtner
Sonntag 28.06.2020

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